Gesichter im mRC: Alina

Interview von Sandra Neukom mit Alina Mannhart

Liebevoll. Empathisch. Fröhlich.

Wie eine schüchterne junge Frau ihren Weg fand – und bald andere auf ihrem Weg begleiten wird.

Wenn Alina den Raum betritt, spürt man sofort: Da ist jemand, der mit dem Herzen arbeitet. Sie lacht, sie hört zu, sie ist präsent. Dass sie vor wenigen Jahren noch so schüchtern war, dass ihr das Herz in die Hose rutschte, wenn sie nur das Telefon abnehmen musste – das glaubt man heute kaum noch.

Alina Mannhart ist 21 Jahre alt, Fachfrau Bewegungs- und Gesundheitsförderung – und auf dem Weg zur Naturheilpraktikerin.

Das ist ihre Geschichte.

Die kleine Heilerin

Schon im Kindergarten, wenn die Jungs Fussball spielten, war Alina diejenige neben dem Feld. Nicht als Zuschauerin – als Physiotherapeutin. Wenn sich jemand verletzte, war sie da. Sie verpflegte, sie tröstete, sie mischte aus Gras und Erde eine Heil-Suppe.

“Meist war es zum Spielen mit den anderen Kindern,” erinnert sich Alina lachend. “Wir haben die Suppen entweder als Essen zubereitet oder als Heiltrank.”

Als Kind war klar: Sie wollte einen Beruf mit Pferden. Doch irgendwann merkte sie, dass dies eher schwierig wird. Also Physiotherapeutin? Ja, das war der Plan. Bis sie die TCM entdeckte – die Traditionelle Chinesische Medizin.

“Als ich die TCM-Ausbildung entdeckt habe, wusste ich sofort: Das will ich machen.”

Der Weg ins mRC

Einige Familienmitglieder machten Alina auf das medizinische Rückencenter aufmerksam. Was sie anzog? Das Team. Das familiäre Klima. Das Konzept.

“An meiner Arbeit liebe ich den Kontakt zu den Menschen,” erzählt sie. “Am meisten Freude bereitet mir, dass ich Menschen helfen und motivieren kann, etwas für ihre Gesundheit zu tun.”

Was sie damals noch nicht wusste: Diese Lehre würde sie komplett verändern.

Von schüchtern zu selbstbewusst

“Anfangs war ich extrem schüchtern und zurückhaltend,” gibt Alina offen zu. “Als ich jeweils das Telefon abnehmen musste, rutschte mir mein Herz jedes Mal vor Angst in die Hose.”

Und heute?

“Jetzt traue ich mich, meine Bedürfnisse klar zu formulieren, meine eigene Meinung einzubringen und ab und zu mal einen Spruch zu klopfen.”

Der Wendepunkt kam unerwartet. Im ersten Lehrjahr fiel Kollegin Eva spontan für die Fit-und-Flex-Stunde aus. Alina war die Einzige, die Zeit hatte. Sie musste einspringen – obwohl sie die Stunde noch nie geleitet hatte.

“Es ging so gut! Das hat mir sehr viel Mut gegeben, andere Dinge auch so offen anzugehen. Gemerkt habe ich auch dabei, dass ich jeweils zu viel hinterfrage.”

Eine Person spielte eine besondere Rolle in ihrer Entwicklung: Jeannette.

“Sie hat mich ermutigt in den Dingen, in denen ich unsicher war. Auch hat sie mir ans Herz gelegt, auf mein Gefühl zu hören.”

Alina lächelt, wenn sie darüber spricht. “Die Lehre im Rückencenter hat mich gefühlt zu einer neuen Person gemacht. Natürlich im positiven Sinne. Darüber bin ich sehr dankbar.”

Wer war die alte Alina? “Eine schüchterne und teils unsichere Person. Vor allem in Situationen, die neu waren.”

Und die neue? “Eine selbstbewusste junge Frau, die weiss, was sie will und kann – wobei ich die Sturheit schon immer hatte.” 😊

Das Bilderbuch, das alles veränderte

In ihrem dritten Lehrjahr arbeitete Alina an ihrer Vertiefungs- und Abschlussarbeit. Das Thema: Menschen am Rande der Gesellschaft.

“Meine Motivation war, dass ich meine innerliche Abneigung gegenüber randständigen Menschen überwinde,” sagt Alina – mutig und ehrlich. “Über Begegnungen mit sozial benachteiligten Menschen wird uns beigebracht, einfach weiterzugehen und nicht zurückzublicken.”

Sie wollte das ändern. Bei sich selbst.

Also führte sie ein Interview mit einem Surprise-Stadtführer in Zürich – einem Mann, der bei ihr im Training war. Sie begleitete einen Stadtrundgang. Und sie lernte eine Frau kennen, die aufgrund einer Suchterkrankung völlig isoliert unter einer Tanne lebte.

“Sie wurde einige Male gefragt, ob sie Hilfe bräuchte. Immer hat sie abgelehnt. Bis sie selbständig auf einen Passanten zugegangen ist und um Hilfe gebeten hat,” erzählt Alina. “Ich finde es sehr berührend, dass sie auf jemanden zugegangen ist. Das braucht sicherlich ganz viel Überwindung und Mut. Nun darf sie wieder selbständig in ihrer eigenen Wohnung leben.”

Um die Thematik für jedes Alter greifbar zu machen, schrieb und zeichnete Alina ein Bilderbuch. Der kleine Igel Ferdinand repräsentiert darin die Frau ohne Obdach. Ihm zur Seite steht ein Glühwürmchen – sinnbildlich für Hilfsorganisationen und all jene Menschen, die Licht ins Dunkel bringen.

Den Erlös spendete sie an Hilfsorganisationen. Am Ende kamen über CHF 600 an Spendengeldern zusammen.

“Jedes Buch, das ich verkauft habe, hat in mir ein Gefühl von Glück ausgelöst,” sagt Alina strahlend.

Dann kamen die Auszeichnungen. Die Arbeit wurde als eine der acht besten Vertiefungsarbeiten ihrer Schule geehrt. Und beim ZKB-Nachhaltigkeitspreis erhielt sie den zweiten Platz.

“Das war überraschend. Ich wusste vorher nicht, dass ich überhaupt prämiert werde. Als beim zweiten Rang mein Titel ertönte, war ich extrem überrascht und konnte es erst nicht ganz glauben.”

Und was hat der Stadtrundgang sie über das Leben gelehrt?

“Viele Menschen schauen immer auf das, was sie nicht besitzen. Dabei finde ich es so wichtig, auch den Dingen Wertschätzung zu schenken, die man bereits besitzt. Denn es gibt Menschen, die haben gar nichts.”

“Wenn ich heute einem randständigen Menschen begegne, weiss ich, wie schnell man durch das soziale Netz fallen kann. Es kann auch nur eine Trennung vom Partner sein. Sie sind keine bösen Menschen und man kann sich ganz normal mit ihnen unterhalten.”

Die TCM – wenn der Körper die Antwort gibt

Was brachte Alina zur Traditionellen Chinesischen Medizin? Ihr eigener Körper.

“Lange Zeit hatte ich eine Kieferverspannung, die sehr wahrscheinlich vom Stress und Druck der Abschlussprüfungszeit kam. Ich konnte meinen Mund kaum noch öffnen, oder er hat immer geknackt.”

Sie versuchte es mit Osteopathie. Dann mit Craniosacral-Therapie. Nichts half bei mir nachhaltig.

“Schlussendlich versuchte ich es mit Shiatsu. Bereits beim ersten Mal, als ich aus der Praxis gelaufen bin, konnte ich meinen Mund wieder ganz normal öffnen und schliessen. Es hat mich sehr beeindruckt und das Interesse zur TCM geweckt.”

Was sie daran fasziniert?

“Der ganzheitliche Ansatz – den Menschen als Ganzes zu betrachten und nicht nur einzelne Symptome zu behandeln. Gesundheit bedeutet für mich nicht nur die Abwesenheit von Krankheiten, sondern auch mental und körperlich im Gleichgewicht zu sein.”

Die Vision: Eine eigene Praxis

Wo sieht sich Alina in fünf Jahren?

“In meiner eigenen Praxis, in der ich die Naturheilkunde praktizieren darf.”

Sie hat schon ein klares Bild davon:

“Am liebsten hätte ich eine Praxis in einem Altbau mit Holzboden und Täfelung an den Wänden. Der Raum soll durch weiche Farben eine Ruhe und Geborgenheit ausstrahlen, sodass bei jedem ein heimeliges Gefühl aufkommt.”

Was für eine Naturheilpraktikerin möchte sie sein?

“Die Patienten sollen sich bei mir wohlfühlen. Ich möchte einen Ort schaffen, der ihnen Sicherheit gibt und sie unterstützt, ihr Bestes aus sich herauszuholen.”

Was treibt sie an, wenn die Ausbildung mal anstrengend wird?

“Mein Ziel – die Selbständigkeit mit der eigenen Praxis. Am liebsten würde ich schon heute damit starten!” 😊

“Ich läbe nume ei Mal”

Das ist Alinas Leitsatz. Direkt. Echt.

“Ich mache die Dinge, auf die ich Lust habe, und so wie ich sie machen will, führe ich sie auch durch. Und wenn niemand Zeit hat, diese mit mir gemeinsam zu machen, dann mache ich es eben alleine.”

Und das meint sie wörtlich.

Das Mutigste, das sie alleine gemacht hat? “Ich bin allein mit meinem Velo von Genf durch Frankreich bis ans Mittelmeer gefahren. Mein ganzes Gepäck hatte ich auf dem Fahrrad und geschlafen habe ich im Zelt auf Campingplätzen.”

Von Genf ans Mittelmeer. Allein. Auf dem Velo. Mit Zelt. Wow.

Was sie über sich gelernt hat

“Ich hatte keine leichte Schulzeit, was mich immer etwas dämpfte,” erzählt Alina. “Durch meinen Leitsatz bin ich mutiger geworden und habe gelernt: Es steckt so viel mehr in mir, als ich es jemals gedacht hätte. Und dass ich alles erreichen kann, was ich mir vornehme.”

Und wenn sie ihrem jüngeren Ich etwas zuflüstern könnte?

“Dass es genauso, wie es ist, richtig ist. Dass es sich alle Zeit der Welt nehmen darf. Und dass am Ende alles seinen Weg findet – sogar schöner, als es sich je hätte vorstellen können.”

Alinas Botschaft an dich

“Wir leben in einer extrem schnellen Gesellschaft, sodass manchmal das ‘Jetzt’ völlig vergessen wird.

Ich finde, es ist sehr wichtig, dass wir uns auch mal die Zeit nehmen, Momente bewusster zu erleben. Wir leben alle nur ein Mal.”

“Schaut euch so viele Berufe an, wie ihr könnt.

Lasst euch nicht stressen und hört auf euer Herz. Ich denke, es ist so viel wichtiger, einen Beruf zu wählen, der einem Freude bereitet, als auf eine hohe Entlöhnung zu schauen.

Ich habe mir auch die Zeit genommen und im Nachhinein bereue ich das wirklich nicht!”

“Nimm dir genau jetzt einen kurzen Augenblick Zeit. Schau aus dem Fenster, atme tief durch und höre ganz genau hin, was gerade um dich herum passiert.”

Wenn sie nicht arbeitet oder lernt?

“Gemeinsame Zeit mit meinen Freunden und meinem Freund sowie Familie bedeutet mir viel. In meiner freien Zeit findet man mich entweder am Reiten, Gravel-Bike fahren oder am Match des FC Winterthur.”

Und was ich noch sagen möchte

Alina, du hast mich berührt mit deiner Offenheit, deiner Tiefe und deiner Klarheit. Du bist erst am Anfang deines Weges – und doch schon so weit.

“Das mRC ist mehr als ein Ort. Es sind die Menschen darin.”

Von Herzen,
Sandra

Zürich, Mai. 2026

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