Mit künstlicher Hüfte wieder leichtfüssig leben

HEALTH TALK mit Sandra Neukom

Wie Graziella nach Hüftproblemen, Operation und gezieltem Training ihre Beweglichkeit und Lebensfreude zurückgewann. Ein persönliches HEALTH TALK Interview mit mRC-Mitglied Graziella (75): über Rückschläge, innere Stärke und den Mut, der eigenen Intuition zu folgen.

Im März 2026 interviewte Sandra das mRC-Mitglied Graziella. Lesen Sie die Geschichte von Graziella – eine Geschichte von schwer bis leichtfüssig, von innerer Stärke und davon, wie sie nach Hüftproblemen und einer Hüftoperation Schritt für Schritt zu Beweglichkeit und Lebensfreude zurückfand.

Als ich Graziella zum ersten Mal im mRC sah, fiel mir sofort auf: Diese Frau schwebt förmlich beim Gehen. Leicht, freudig, präsent. Ich war damals noch Mitglied und wusste noch nichts von ihrer Geschichte. Aber dieses Bild – diese Leichtigkeit – hat mich berührt.

Heute, nach unserem Interview, verstehe ich: Das ist nicht einfach nur eine Gangart. Das ist das Resultat von 16 Jahren Kampf, Weisheit und dem Mut, auf die eigene innere Stimme zu vertrauen – auch wenn die ganze Welt dagegen war.

Graziella ist 75 Jahre alt. Sie ist quirlig, jung geblieben, vielseitig interessiert und gibt sich noch voll ins Leben ein. Sie strahlt eine Lebendigkeit und Freude aus, die ansteckend ist. Für mich ist sie ein Vorbild – nicht nur wegen ihrer körperlichen Genesung, sondern wegen der Art und Weise, wie sie ihr Leben lebt.

Das ist ihre Geschichte.

Vom aktiven Berufsleben in eine schwierige Phase

Die Powerfrau, die ihre Leidenschaft lebte

Graziella liebte ihren Beruf. Sie war Fachfrau im Reisebüro – Sachbearbeiterin und Assistentin bei einem großen Touroperator. Sie setzte sich mit ihrer ganzen Energie ein. Überstunden waren für sie kein Problem – im Gegenteil. Sie arbeitete gerne, und diese Leidenschaft war ein großer Teil ihrer Identität.

Dann, 2005, verlor sie die Stelle.

In ein Loch fallen

“Ich fiel in eine kleine Depression,” erzählte mir Graziella. “Es war bereits das zweite Mal, dass ich arbeitslos wurde. Und ich war schon 55 Jahre alt.”

Die Angst war gross. Wie sollte sie in diesem Alter noch eine neue Stelle finden?

Sie suchte. Sie fand. Aber nach nur zwei Monaten war auch diese Stelle vorbei – die Firma wirtschaftete so schlecht, dass es absehbar war. Das wusste Graziella bereits zu Beginn. Es machte nichts mit ihr, weil sie es kommen sah. Aber es war ein weiterer Schlag.

In dieser Zeit begann etwas in ihrem Körper zu geschehen.

Wenn Körper und Seele aus dem Gleichgewicht geraten 

Psychosomatik

Graziella versteht sehr gut, dass ihre körperlichen Probleme mit dieser Situation zusammenhingen. Sie wurde immer wieder gebremst, konnte nicht vorwärtsgehen – wörtlich und im übertragenen Sinne. Ein Bein erhielt immer wieder eine Blockade, die es ihr unmöglich machte, ins Tram einzusteigen. Oft wartete sie einfach bis ein Niederflur Tram kam um besser einsteigen zu können.

Sie durfte lernen, geduldig zu sein. Nicht mehr so schnell unterwegs zu sein.

“Ich fühlte mich oft weggeworfen,” sagt Graziella. “Wertlos. Nicht mehr gefragt. Das war eine sehr anstrengende Zeit in meinem Leben.”

Aber ihr Mann war da. Er unterstützte sie. Er riet ihr, offen zu sein – auch für etwas anderes. Zu Beginn fiel ihr das schwer. Mit der Zeit aber konnte sie sich öffnen und fand etwas Neues.

Doch die Beziehung zu ihrem Mann war etwas angespannt – nicht, weil er sich anders verhielt, sondern weil Graziella sich selbst nicht mehr gleichwertig sah. Sie war nicht mehr die Powerfrau von vorher. Das hat eine Zeit gedauert, bis sie sich wieder gleichwertig fühlen konnte.

Die Diagnose Hüftdysplasie

Die Hüfte – Der Kampf beginnt.

Graziella war fast 60 Jahre alt. Sie war im Urlaub mit dem Zelt in Kroatien – bei schlechtem Wetter. Von einem Tag auf den anderen: schreckliche Rückenschmerzen.

Ihr Hausarzt diagnostizierte Skoliose.
Das mRC schickte sie zu Dr. Braun – Hüftdysplasie.
Dr. Braun schickte sie zu einem Chirurgen.

“Das war ein traumatisches Erlebnis für mich,” sagt Graziella. “Ich weigerte mich zu operieren.”

Sie wurde alleine gelassen. Also suchte sie nach einer anderen Methode. Nach vielen Versuchen entdeckte sie die Spiraldynamik.

Was folgte, war ein neun Jahre langer Kampf.

Ihre Hüfte wurde besser, aber nie ganz gesund. Sie probierte alles aus: Qi Gong, Antara, die Dr. Feil Methode, Ergänzungsmittel und vieles mehr. Die Liebscher und Bracht Methode war damals noch nicht bekannt. Aber Cantienica – auch sehr empfehlenswert, wie Graziella betont.

Sie hinkte. Trotz aller Bemühungen konnte sie nicht schön gehen. Und ihr ganzer Umkreis – Freunde, Familie – waren gegen sie. Sie drängten sie zur Operation.

“Mich gegen alle fremden Meinungen zu stellen – das war die größte Herausforderung,” sagt Graziella.

Warum weigerte sie sich so lange?

“Mit 60 Jahren wollte ich kein künstliches Gelenk,” erklärt sie. “Die Ärzte sagten mir: Wenn du Glück hast, hält es 15 Jahre. Einmal kann man es auswechseln, aber danach ist das Ergebnis nicht mehr so gut.”

Sie hatte Angst. Angst, im Rollstuhl zu sitzen. Angst, mit Krücken herumzulaufen. Das wollte sie nicht riskieren.

Also wartete sie. Und während sie wartete, lernte sie.

Der lange Weg ohne Operation – die neun Jahre des Lernens

In dieser Zeit wurde Graziella von Kathrin Muntschin bestärkt – immer wieder. Kathrin glaubte an sie, auch wenn es sonst fast niemand tat.

Liebscher und Bracht wurde populär. Graziella las Bücher, versuchte autodidaktisch zu praktizieren – mit geringem Erfolg. Aber sie gab nicht auf.

2018 machte sie einen letzten Versuch: Therapie bei Daniela Haller, einer Liebscher und Bracht Therapeutin. Aber auch das half nicht mehr. Der Knorpel war zu dünn geworden. Der Hüftknochen rieb sich immer mehr ab.

“Man konnte nichts mehr machen,” sagt Graziella.

Aber sie wollte noch nicht aufgeben. Sie konnte immer noch turnen, ohne große Probleme. Auch einige Kilometer wandern funktionierte noch.

Dann kam 2019.

Die Entscheidung für die Hüftoperation

2019 landete Graziella wieder bei Kathrin Muntschin. Und dieses Mal war es anders.

Kathrin, sowie eine Ärztin der Spiraldynamik und auch die Liebscher und Bracht Therapeutin – alle unterstützten sie. Vorher als sie ihren eigenen Weg ging und jetzt, in der Entscheidung zu operieren.

Graziella stimmte zu.

Aber es war keine Niederlage. Es war eine Entscheidung aus Weisheit.

Damit traf sie eine bewusste Entscheidung für eine Hüftoperation, die ihre Lebensqualität langfristig verbessern sollte.

Nach der Operation – Graziella war da 69,5 Jahre alt – sagte die Liebscher und Bracht Therapeutin einen Satz zu ihr, der alles veränderte:

“Du hast Zeit gewonnen.”

Graziella erzählte das mit Freude. Sie schmunzelte. Sie war sehr kraftvoll und selbstbewusst, als sie von diesen 10 Jahren sprach, die sie gewonnen hatte.

Statt ein künstliches Gelenk mit 60 Jahren – das vielleicht nur 15 Jahre hält – hatte sie es mit fast 70 Jahren bekommen. Sie hatte 10 Jahre gewonnen. Zehn Jahre, in denen sie alles ausprobieren konnte. Zehn Jahre, in denen sie ihre innere Stimme fand und zu ihr hielt.

Das war keine Sturheit. Das war innere Weisheit.

Die Therapie – und der Mut, weiterzugehen

Die Operation 2019 war erfolgreich. Die Therapie bei Ulrike von Startpunkt Physiotherapie im med. Rücken-Center dauerte über drei Verordnungen.

Aber es hat sich gelohnt.

Schritt für Schritt baute sie mit gezieltem Training nach der Hüftoperation ihre Kraft und Beweglichkeit wieder auf.

“Ich kann fast alle Bewegungen wieder machen,” sagt Graziella heute.

Jürg Neukom vom mRC unterstützte sie. Als sie eine grosse Pilgerrreise machen wollte, empfahl er ihr klein zu beginnen, die Kraft aufzubauen. Zuerst wandern mit 4-5 kg. Und dann langsam erhöhen. 

Dieses gezielte Aufbautraining half ihr, Vertrauen in ihren Körper zurückzugewinnen.

Graziella zog das mit viel Begeisterung durch.

Denn sie hatte einen Plan. Einen großen Plan.

Die Pilgerreise – 300 km aus Dankbarkeit

Graziella und ihr Mann machten eine Pilgerreise von Florenz nach Assisi. 300 Kilometer in zwei Wochen.

Mit einem schweren Rucksack. 7-8 Kilogramm Grundgewicht und ca. 2-3 Kilogramm Wasser und Essen.

Ihre Freunde fragten: “Wie kannst du das machen mit der künstlichen Hüfte?”

Aber Graziella hörte wieder auf sich selbst. Auf ihre innere Stimme. Und sie machte die Reise.

“Es war eine Herausforderung,” erzählte sie mir. “Aber ich wollte nicht nur krampfen. Ich wollte auch locker sein und genießen. Ich wollte die spirituelle Erfahrung mitnehmen.”

Sie machte die Reise aus Dankbarkeit. Das war ihre spirituelle Motivation.

Und sie war erfolgreich.

Als Graziella davon erzählte, lachte sie. Ihre Augen strahlten. Sie war stolz auf sich – nicht aus Hochmut, sondern aus einer tiefen Dankbarkeit.

“Ich bin so dankbar, dass ich wieder lange gehen kann, ohne dass mir etwas wehtut,” sagt sie.

Was sie gelernt hat

Auf die Frage, was sie in diesen sieben Jahren mit dem künstlichen Hüftgelenk gelernt hat, antwortet Graziella:

“Es ist gut, sich physisch gut vorzubereiten. Aber vor allem: auf sich zu hören. Die eigene innere Stimme. Jeder Mensch ist anders. Ich will keine Ratschläge geben – das war einfach meine Reise.”

Sie unterstreicht aber auch: Bei einer Herzoperation würde sie nicht so lange warten. Jede Situation ist anders.

Was sie betont: Sie will nicht sagen, das musst du machen. Es war einfach ihre Reise. Ihre Entscheidung. Ihre innere Stimme.

Das neue Leben – Leichtfüssig

Heute kann sich Graziella wieder fast wie früher bewegen. Es gibt wenig Einschränkungen – gewisse Yoga-Übungen wie den Spagat oder die Taube meidet sie. Aber sie könnte sie wahrscheinlich machen.

Sie tanzt gerne. Sie macht immer noch Yoga. Sie macht Chi Gong. Sie erzählte das mit Freude und Leichtigkeit.

Ihre Körpersprache während des ganzen Interviews war offen. Sie saß gerade da, mit einer offenen Haltung. Präsent. Lebendig.

“Ich kann wieder leichtfüßig gehen, schweben, tanzen,” sagt sie. “Und ich kann wieder wandern, solange bis ich müde werde.”

Manchmal vermisst sie ihre eigene Hüfte. Sie sagt für sie sei eine Prothese nicht das gleiche wie die eigene. Das ist ihre Empfindung. 

Aber die Operation musste sein – für ihre Lebensqualität. Sie bereut nicht, sie so lange herausgeschoben zu haben.

Ihr Leitsatz – Und eine wichtige Botschaft

“Ich schreite leichtfüssig durchs Leben.”

Das ist ihr Leitsatz. Aber was bedeutet das konkret?

“Dass ich mich bewegen kann, mehr oder weniger wie in jungen Jahren,” erklärt Graziella. “Ich fühle mich leicht und bin sehr zufrieden mit meiner Elastizität. 

Und das Leben leicht zu nehmen. Eher das Leben als Lösung bei all den Herausforderungen zu sehen – und nicht als Problem.”

Und dann erzählte Graziella von etwas, das ihr sehr wichtig ist.

Sie sagte: “Du hattest mir einmal ein so schönes Kompliment gemacht. Du hast gesagt: ‘Du läufst so schwebend und leicht. Das war viel schöner gewesen, als wenn du gesagt hättest: ‘Du hast fast keine Falten für dein Alter’ oder ‘Du siehst so jung aus’ oder ‘Du hast so eine tolle Figur.”

Sie wollte, dass ich das unseren Lesern sage.

Es geht nicht um Äusserlichkeiten. Es geht um Lebendigkeit. Um Präsenz. Um die Art, wie man sich bewegt – mit Leichtigkeit und Freude.

Das ist echte Schönheit.

Ihre Botschaft an euch

“Horcht auf euer Herz. Eure innere Stimme. Und habt Vertrauen auf eure Intuition, euer Gefühl.”

Das ist Graziellas Botschaft an Menschen, die gerade eine ähnliche Herausforderung durchmachen.

“Glaubt eurer Intuition,” sagt sie. “Und lasst euch nicht von anderen Menschen – Familie, Freunde – etwas aufzwingen, wenn ihr nicht überzeugt seid.”

Sie betont aber auch: “Die Schulmedizin ist wichtig. Aber prüfe auch Alternativen.”

Und das Wichtigste: “Ich glaube daran, dass jeder seine eigenen Erfahrungen machen muss. Das war einfach meine Reise.”

Die Verbindung zum med. Rücken-Center

Graziella kam zum med. Rücken-Center wegen starker Rückenschmerzen – auf Empfehlung eines Bekannten. Das war der Anfang.

“Das med. Rücken-Center ist für mich ein Ort, wo ich mich fitnessmässig entfalten kann und meine Grenzen ausloten kann,” sagt sie.

Besonders das gezielte Rückentraining und Aufbautraining in Zürich halfen ihr, ihre Stabilität und Beweglichkeit nachhaltig zu verbessern.

Auch mit der heutigen Betreuung – Jürg und sein Team – erhält sie immer wieder gute Impulse. Die liebevolle Betreuung und die kollegiale Atmosphäre sind das, was sie am med. Rücken-Center besonders liebt.

“Ich empfehle das med. Rücken-Center anderen,” sagt Graziella. “Ich mache das immer wieder bei Familie und Freunden.”

Das med. Rücken-Center war nicht nur ein Ort der Genesung. Es war ein Ort, wo sie sich verstanden fühlte. Wo man auf ihre innere Stimme hörte. Wo man sie unterstützte – nicht in dem, was andere wollten, sondern in dem, was SIE wollte.

Zum Abschluss

Graziella ist 75 Jahre alt und lebt mit einer Intensität und Freude, die ansteckend ist. Sie hat gelernt, auf ihre innere Stimme zu hören – und das kostet Mut. Es kostet Mut, alleine gegen alle zu stehen. Es kostet Mut, alternative Wege zu gehen. Es kostet Mut, die Schulmedizin zu hinterfragen und trotzdem am Ende eine Entscheidung mit der Schulmedizin zu treffen.

Sie schreitet leichtfüßig durchs Leben – nicht, weil sie keine Probleme hat, sondern weil sie in Lösungen denkt.

Ihre Geschichte ist ein Beweis dafür: Es ist nie zu spät. Mit 60, mit 70 – die innere Weisheit kann sich immer zeigen. 

Die Lebendigkeit kann immer blühen.

Horcht auf euer Herz.

Von Herzen, 
Sandra 

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